Die Geschichte der Sandkerwa

Jeder kennt sie und jeder liebt sie: Die Bamberger Sandkerwa. Jedes Jahr strömen tausende Besucher aus allen Himmelsrichtungen in die kleine Weltkulturerbe-Stadt um mit den Bambergern das größte Fest der Bierstadt zu feiern. Vier Tage befindet sich Bamberg im Ausnahmezustand: Es wird gelacht, gefeiert und getrunken. Doch was verbirgt sich hinter dem (be)rauschenden Fest? 100Brauereien hat sich einmal die Geschichte der Sandkerwa angeschaut.

Am Anfang war die Kirche

Manchmal gerät die Tatsache in Vergessenheit, dass es sich bei der Sandkerwa um eine Kirchweih handelt. Im Fall der Sandkerwa wird die Weihung der St. Elisabeth Kirche im Sand gefeiert. Diese wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts als Erweiterung für das Heilig Geist Spital erbaut, in welchem sich heute die Bamberger JVA befindet. 1531 ist das erste Kirchweih-Fest am Bartholomäustag (24. August) urkundlich belegt. Auf diesem soll es schon Fisch und die traditionelle, fränkische Schlachtschüssel gegeben haben. Um 1802 wurde St. Elisabeth säkularisiert und als Magazin genutzt, doch schon 1883 konnte die Kirche, auf Bestreben der Stadt hin, neu geweiht werden. 1949 gab es erste Anregungen durch Gastwirte im Sand, eine Kirchweih ins Leben zu rufen. Vom Bürgerverein des 4. Distriktes und vom Bürgermeister Luitpold Weegmann unterstützt, wurde die bis heute bestehende Sandkerwa im September 1951 zum ersten Mal gefeiert.

65 Jahre Sandkerwa

Auch wenn die Rechnung der Veranstalter nicht Vollends nachzuvollziehen ist, feiert Bamberg im Jahr 2015 das Jubiläum der 65. Bamberger Sandkerwa. Viele Traditionen aus den Anfängen sind bis heute erhalten geblieben wie zum Beispiel das traditionelle Fischerstechen: Bei diesem Wettkampf unterhielten (früher) die verschiedenen Fischereifamilien der Stadt die Besucher damit, dass zwei Mannschaften (oder auch nur zwei Kontrahenten) jeweils auf einem Boot stehend, versuchten sich gegenseitig mit einem “Speer” ins Wasser zu stoßen. Dies erinnert sehr an mittelalterliche Ritterturniere und gilt als der Höhepunkt der Sandkerwa. Aber auch Bootsfahrten auf der Regnitz und das traditionelle Abschluss-Feuerwerk gelten als absolute Empfehlung für jeden Besucher.

Das traditionelle Fischerstechen auf der Bamberger Sandkerwa (Quelle: Sandkerwa.de)

Das traditionelle Fischerstechen auf der Bamberger Sandkerwa (Quelle: Sandkerwa.de)

Kein Fest ohne Probleme

Schon ganz zu Beginn der Sandkerwa sah man sich Problemen gegenüber gestellt, was Anwohner und Ruhestörung betraf. Also im Grunde nichts, was den Bambergern heute wirklich fremd ist.
In der Anfangszeit machten sich die Insassen der JVA einen Spaß daraus, Ihre Nachttöpfe durch die Gitterstäbe auf die Besucher des Festes zu entleeren. Dies ist glücklicherweise nicht mehr der Fall :)
Das Problem des Urins bleibt aber bestehen, so dass sich die Organisatoren verpflichtet fühlen, immer mehr mobile Toiletten und Pissoirs aufzustellen. Die Beschwerden der Anwohner bleiben, was wohl auf die Unlust vieler angetrunkener Besucher zurückzuführen ist, die aufgestellten Toiletten auch aufzusuchen.
Auch die Sicherheitsauflagen von Seiten der Stadt verschärfen sich von Jahr zu Jahr. Feuerwehr, Sanitäter und Sicherheitskräfte müssen natürlich bezahlt werden. Die Finanzierung der Sandkerwa steht somit oft auch wackeligen Beinen, doch glücklicherweise kann auch 2015 das Fest wieder stattfinden.

Ablauf und Programm

Hier einmal die wichtigsten Ereignisse der Sandkerwa im Überblick:

Eingeleitet wird die Kerwa, wie jedes Jahr, durch einen Festgottesdienst in der Elisabethenkirche. Dieser findet am Mittwoch, dem 19. August, um 19:00 statt.
Die offizielle Eröffnung findet am Donnerstag (20.8.) im Festzelt am Leinritt statt. Hier werden OB Andreas Starke und Staatsministerin Melanie Huml zugegen sein und einige Worte zur Sandkerwa verlieren.
Am Freitag (21.8.) wird der Kirchweihbaum in der Schweinfurter Straße abgeholt und um 18:00 vor St. Elisabeth aufgebaut. Um 21:00 wird dann der/die Sandschützenkönig/in gekürt.
Am Samstag (22.8.) findet um 14:30 das Schüler- und Jugendfischerstechen statt. Im Anschluss um 15:00 gibt es ein Orgelkonzert im Dom. Bei Einbruch der Dunkelheit beginnt das Wasserfest, bei dem viele beleuchtete und geschmückte Boote auf der Regnitz zu sehen sein werden.
Der Sonntag (23.8.) beginnt um 09:30 mit einem Festgottesdienst in St. Elisabeth. Im Anschluss kann man sich beim traditionellen Frühschoppen ein kühles Seidla gönnen. Um 15:00 beginnt das traditionelle Fischerstechen. Einen guten Blick hat man entweder vom Leinritt oder vom Kranen aus. Hier gilt der Grundsatz “Der frühe Vogel sieht auch was”, denn erfahrene Zuschauer wissen, dass die begehrten Plätze mit guter Sicht schnell weg sind.
Nach dem Hahnenschlag endet die Sandkerwa am Montag (24.8.) mit einem großen Feuerwerk, das vom Kloster St. Michael aus um 22:00 gezündet wird. Anlässlich der 65-Jahr-Feier wird dieses Spektakel 650 Sekunden (also knapp 11 Minuten) dauern. Einer der besten Plätze zum Beobachten des Feuerwerks ist wohl die Markusbrücke, die während des Festtreibens für Autos gesperrt ist. Letztes Jahr habe ich von dort aus einmal das Feuerwerk ab gefilmt:

Die Sandkerwa ist ein Spektakel für Groß und Klein, bei dem es auf keinen Fall nur um das Thema Bier geht: Tradition wird hier immer noch groß geschrieben und die vielen Programmpunkte sowie zahlreiche Ausschänke, Fahrgeschäfte und Festivitäten sorgen für ein besonderes Wochenende, auf das ganz Bamberg den Sommer über hinfiebert.

Gewinnspiel: Wir sammeln Eure Tipps!

Ihr habt Tipps für besondere Veranstaltungen? Euer Lieblingsausschank verdient eine besondere Erwähnung auf 100Brauereien? Ihr habt skurrile Bilder von einer vergangenen Sandkerwa? Schickt uns bis zum 10. August Eure Eindrücke, Bilder und Tipps! Unter allen Einsendungen verlosen wir das Buch zu 100Brauereien, wahlweise auf Deutsch oder Englisch!

Wie das geht?

Postet uns Eure Bilder und Tipps auf die Facebook-Seite oder hinterlasst einen Kommentar unter diesem Artikel. Gerne könnt Ihr auch das Kontaktfeld nutzen :) Wir freuen uns auf Eure Einsendungen!

Liebe Grüße,

Alex

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