Eine kleine Geschichte des Craft Bieres

Meinen letzten Sommerurlaub habe ich zum ersten Mal in den USA verbracht. Die Staaten sind ja hauptsächlich für lockere Waffengesetze, große Autos und wässriges Bier bekannt. Letzteres hat sich in den letzten Jahren sehr geändert. Es wäre wohl falsch zu behaupten, dass Amerika das Ursprungsland des Craft Bieres ist, denn es ist schwierig bei Trends und Bewegungen einen Ursprung festzustellen. Sicherlich darf man aber behaupten, dass die frühere “Brauereikultur” der Staaten diese Bewegung massiv voran getrieben hat. Jeder, der schon einmal Bud Light getrunken hat, kann wahrscheinlich den Unmut amerikanischer Bierliebhaber verstehen, der dazu führte, dass das “handwerkliche Brauen” einen derzeit einen so großen Aufschwung erlebt.

Mitlerweile erhält man in jeder Bar und in jedem amerikanischen Restaurant, das etwas auf sich hält, ein regionales oder überregionales Craft Bier. Meistens liest man hier India Pale Ale auf der Karte. Doch was hat das Craft mit Indien zu tun?

Die Inder selbst hatten wohl erst einmal recht wenig vom India Pale Ale, viel mehr hingegen die britischen Kolonialherren im 18. Jahrhundert. Auf der einen Seite mussten diese regelmäßig nach Indien reisen, auf der anderen Seite wollte man aber auch nicht auf das geliebte Bier verzichten – wer könnte es ihnen verdenken? Da das bis dahin bekannte Bier aber auf dem langen und strapaziösen Seeweg verfallen wäre, musste eine robustere Sorte gefunden werden. Daraus entstand ein Bier mit einer deutlich erhöhten Stammwürze und somit auch einem höheren Alkoholgehalt. Das India Craft Bier ist hier mit 4,6 bis 7,8 Prozent die wohl kräftigste Craft Sorte.

Das britische Reise-Bier musste dabei nichts am Craft-typischen aromatischen, fruchtigen Geschmack einbüßen. Geschmäcker von Beeren bis zu exotischen Früchten sind dabei möglich, ohne dabei echte Früchte zu verwerten.

Wie für jedes klassische Bier wird auch für das Craft nur Hopfen, Hefe, Malz und Wasser verwendet, unterscheidet sich aber grundlegend in der handwerklichen Verarbeitung und der Verwendung von hochwertigem Aromahopfen. Das India Craft Bier stellt dabei nur eine der vielfältigen Craft Sorten dar. Anfangs galten vor allem Brauereien, die in geringen Produktionsmengen, dafür aber mit alten Brautraditionen ausgesprochen ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen produzierten, als Craft Bier. Mittlerweile verkaufen aber bereits viele Brauereien in enormen Mengen ihr Craft Bier, sodass man aus der früheren Regel keine Norm mehr machen kann.

Dabei entstanden immer mehr vielfältige Geschmacksrichtungen, darunter beispielsweise das schwarze Stout mit der feinen Kaffe- und Schokoladennote, oder auch das bekannte Weißbier. Generell lässt sich sagen, dass sich das Craft Bier immer größer werdender Beliebtheit erfreut, sowohl in Amerika als auch in Deutschland selbst. Sogar ein Ranking der Top Craft Biere in Deutschland existiert bereits: Hier geht es zum Ranking.

Probiert es also doch einfach einmal aus – dazu müsst ihr mittlerweile nicht mal mehr wie ich extra nach Amerika reisen 😉

 

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