Bürger, Burgen, Barock, Brezn und natürlich Bier…

…sind typische Assosationen mit Bamberg. Tatsächlich hat vor allem der süffige Gerstensaft eine ganz besondere Bedeutung: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es heute mehr Brauereien als in Bamberg und seinem Landkreis.
Bamberg, die wahre Hauptstadt des Bieres, so heißt es, wird von drei Strömen durchflossen: Vom linken Arm der Regnitz, vom rechten Arm der Regnitz und vom quellfrischen Bier.
Bereits seit ihrem Bestehen ist die Historie der Domstadt untrennbar mit dem Thema Bier verbunden. Der Überlieferung nach reicht die Geschichte der Bamberger Braukunst bis ins Jahr 1039 zurück, als der Domherr Ouldaricus verfügte, dass anlässlich seines Todestages jedem Bürger Freibier ausgeschenkt werden sollte. Den Ältesten Nachweis auf eine Braustätte in Bamberg und Umgebung liefert eine Urkunde aus dem Jahre 1122, mit der Bischof Otto der Heilige den Benediktinern des Klosters auf dem Michaelsberg das Braurecht verlieh. Wie Überall in Deutschland, wurde von da an auch in Bamberg und seinem Landkreis das Brauen wesentlich von den ansässigen Klöstern beeinflusst. Über Jahre hinweg widmeten sich gelehrte Mönche dem Brauprozess und seiner steten Verbesserung, da das Bier nicht nur in der Fastenzeit als wohlschmeckendes Nahrungsmittel galt.
Den Bürgerlichen wurde das Bierbrauen anfangs nur mit einer besonderen Genehmigung gestattet: Wer das so genannte Braurecht besaß, durfte zuviel hergestelltes Bier auch öffentlich verkaufen – ein Zugeständnis, das vielen Handwerkern und Landwirten die Lebensgrundlage sicherte. Zahlreiche Büttner verdienten sich ihr Geld durch die Fertigung von Fässern, Kupferschmiede produzierten Sudkessel am Fließband, und die Bauern auf dem Land sorgten für die Erzeugung der natürlichen Rohstoffe, die zum Bierbrauen notwendig waren.

Wer auf den öffentlichen Bierausschank hinweisen wollte, brachte an seiner Hauswand das Zeichen des Gastfriedens an – einen Vorläufer des heutigen Brauereiauslegers. Weitere Zeugen der Bamberger Brautradition sind die allseits beliebten Felsenkeller, die zahlreiche Einheimische und Touristen zum Verweilen einladen. Ursprünglich zur Gewinnung von
Feg- oder Scheuersand ausgehöhlt, dienten die dabei entstandenen Löcher bei ganzjährig konstanten Temperaturen von 8° Celsius als Lagerräume für den Gerstensaft, um ihn möglichst lange haltbar zu machen. Schon damals erfreute es sich in Bamberg allgemeiner Beliebtheit, wenn die Braumeister das frisch gekühlte Bier im Sommer direkt über den Felsenkellern ausschenkten. Und auch wenn es die alten Lager als Kühlraum schon lange nicht mehr gibt – die Tradition des Biergenusses auf dem Keller hat bis heute Bestand.

Und noch eine Besonderheit weist das Bamberger Bier auf: Bereits 1489, also 27 Jahre vor der Einführung des allgemeinen Reinheitsgebotes („Wir wollen auch sonderlichen, daß füran allenthalben in unseren Städten zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser genommen und gebraucht werden sollen“), das der Herzog Wilhelm IV. von Bayern am 23. April 1516 auf dem Landstädtetag zu Ingolstadt erließ, wurde das Reinheitsgebot in Bamberg ausgesprochen. Die Hefe kam später als eigene, auf natürliche Züchtung beruhende Substanz dazu.

Im Jahr 1907 erhöhten einige Brauereien ihre Preise fürs Seidla von zehn auf elf Pfenning, wodurch es zum Bamberger Bierkrieg kam: Die Bürger der Stadt boykottierten sämtliche Brauereien, die ihre Preise erhöht hatten, so dass sich die Gaststätten gezwungen sahen, das Seidla wieder für zehn Pfenning zu verkaufen.

Die Besucher der Brauereien in und um Bamberg können sich auch nach der Abschaffung des Reinheitsgebotes 1987 sicher sein, dass sie hier natürliches Bier in seiner ursprünglichen Art – also ohne Reis, Mais, Hirse oder gar chemische Zusatzstoffe – serviert bekommen.
Überhaupt zeichnen sich die Biere aus Bamberg und seinem Landkreis vor allem durch Frische und Bekömmlichkeit aus: Ihre Farbe geht von ganz hell bis fast ins Schwarze, und den Brauereibesuchern werden sowohl leichte als auch vollmundige, filtrierte und naturtrübe, unfiltrierte, rauchige sowie ungespundete mit wenig Kohlensäure serviert.

Quelle: “Ausgewählte 100 Brauereien in Bamberg und seinem Landkreis” von Uto und Alexander Düthorn. Bamberg 2005. ISBN 978-3981025705.

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